Die Grenzen von Arbeit und Freizeit verschwimmen
Was für unsere Eltern noch galt (Stunden Arbeit, 8 Stunden Freizeit und 8 Stunden Schlaf), gilt für einen Teil der heutigen Arbeitenden nicht mehr. Wer im Management angesiedelt, Kleingewerbetreibender, Selbständiger ist oder als Arzt oder Techniker im Notdienst arbeitet, weiß um eine inzwischen fast ständige Erreichbarkeit. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen immer mehr.
Was für Angestellteoft ein notwendiges Übel ist, schätzt der Selbständige. Auch wenn diese Personengruppe noch relativ klein ist, wird sie in den nächsten Jahren weiter wachsen. Natürlich wird Verkaufspersonal in einem Supermarkt immer noch zu bestimmten Zeiten vor Ort sein müssen, aber für viele andere Tätigkeiten, die einen Home Office Arbeitsplatz möglich machen, besteht im Grunde keine Anwesenheitspflicht. Wann und wo die Arbeit getan wird, ist gleichgültig. Hauptsache sie wird termingerecht fertiggestellt. Ob ein Versicherungsvertrag im Büro, Zuhause oder am Strand bearbeitet wird, ist gleichgültig. Es zählt, wie gesagt, das Ergebnis.
Dies impliziert eine Reihe von Konsequenzen. Die arbeitende Person muss ein hohen Maß an Selbstdisziplin zur Bewältigung der Arbeit aufbringen. Andererseits genießen diese Personen auch ein hohes Maß an Freiheiten. Die Arbeit muss nicht notwendigerweise zwischen 8 und 17 Uhr erledigt werden; andere Arbeitszeiten sind denkbar. Das bedeutet, dass das eigenen Zeitkontigent besser verwaltet werden kann. Freizeit am Vormittag und Arbeit am Nachmittag und Abend sind möglich und bald normal. Gleichzeitig benötigen wir für diese „Freigeister“ andere Führungsmodelle. Die hierarchische und kontrollierende Führung, wie sie bisher noch weit verbreitet ist, funktioniert nicht mehr. Die ergebnisorientierte Führung tritt mehr in den Vordergrund. Letztlich steht auch eine andere Lebensplanung im Vordergrund. Durch das Aufweichen der Grenze zwischen Arbeit und Freizeit treten unter Umstände andere Wertigkeiten im Leben des Einzelnen auf. Arbeit wird nicht mehr als Belastung, sondern viel stärker als Spaß und die freie Zeiteinteilung als Motivation empfunden. Gerade die jungen Menschen (ab Anfang bis Mitte 20), die gerade in das Berufsleben eintreten, fordern mehr und mehr diese Freiheiten und bekommen sie auch zugestanden. Langsam erkennen die Unternehmen den Mehrwert für alle Beteiligten an der Aufweichen der Grenze zwischen Arbeit und Freizeit.
