Coworking wieder anders

Coworking ist zu einem Trend geworden. Egal, wo ich mich gerade aufhalte, es wird gearbeitet. Die „digitale Boheme“, ausgerüstet mit Handy, Laptop und Webanschluss, jung, dynamisch und freiberuflich tätig, findet überall ihren Arbeitsplatz.  Dabei handelt es sich meistens um Einzelunternehmer aus allen Bereichen der Wirtschaft. Sie arbeiten digital mit allen möglichen Partnern und Unternehmen zusammen. CoMapping, CoScheduling und CoInfoSharing sind dabei die Tools dieser Boheme.

Doch auch im digitalen Zeitalter kommt der Mensch nicht ohne persönlichen Kontakt aus. Deshalb etablieren sich momentan in den USA und verstärkt jetzt auch in Europa und Deutschland temporäre Arbeitsplätze (siehe taz vom 15.1.10 und Kölner Stadtanzeiger vom 16.1.10).  Neben den bisherigen Büroanbietern sind alternative Bürogemeinschaften im Angebot. In einer ehemaligen Werkshalle werden kleinere und größere Büros gebaut und zu erträglichen Preise pro Tag angeboten, Infrastruktur und Kindergarten inklusive. Wichtig dabei ist die gegenseitige Kommunikation und der Austausch. Selbständige unterschiedlichster Fraktionen arbeiten auch an gemeinsamen Projekten, tauschen Ideen aus, holen sich Feedback zu ihrer Arbeit, sind kreativ  und produktiv.

In unterschiedlichen Städten wie Berlin, Hamburg und Köln entstehen diese neuen Zentren des kollaborativen Arbeitens  und Lebens als Ergänzung zum digitalen Arbeiten.  Der Kölner Stadtanzeiger bezeichnet diese Form der Arbeit als „Arbeitsplätze der Zukunft“. Sicherlich ist das zutreffend für Selbständige. Aber bei näherer Betrachtung ist dies auch ein Modell für die „Arbeit der Zukunft“. Welche Arbeitsplätze können in Form eines HomeOffice ausgelagert werden? Vielleicht sollten Unternehmen einige Mitarbeiter tageweise in solche Bürogemeinschaften schicken, um in Ruhe an Projekten zu arbeiten und sich im Netzwerk der kollaborativen Arbeiter Ideen, Anregungen und Feedback zu holen.

Wer selbständig ist und in einer der genannten Städte lebt und arbeitet, mag sich dieses Coworking mal für einen Tag antun. Bei 5,- bis 8,- Euro pro Stunde ist dies bestimmt ein Vergnügen.