Die Alterspyramide entwickelt sich zu unseren Ungunsten. Soweit ist das keine neue Meldung. Was allerdings überrascht ist immer noch die weite Ignoranz dieses Themas in weiten Teilen der Bevölkerung. Wir müssen uns allerdings schnellstens Gedanken machen, was zu tun ist, denn die Zeit zum Handeln wird knapp.
Zu den Tatsachen:
1. Die Bevölkerung wird älter. Praktische Folge davon ist, dass die arbeitende Bevölkerung einen Rentner länger finanzieren muss als bisher. Zwischen 5 bis 10 Jahre kommen da zusammen und stellen eine enorme Belastung aller Rentenkassen (gesetzlich, privat und betrieblich) dar.
2. Da durch die fehlenden Neugeburten Beitragszahler nicht vorhanden sind, verschiebt sich das Verhältnis Beitragszahler zu Rentner auf 3 zu 1 im Jahr 2020. Im Jahr 1960 war das Verhältnis 1 zu 10! Die Folgen sind erhöhte Zahlungen der verbleibenden Beitragszahler. Dieses Geld fehlt beispielsweise für notwendige Investitionen in vielen anderen Bereichen z.B. Schule, Soziales, Infrastruktur. Alternativ erhält der Rentner weniger Geld, was allerdings zu einer Einschränkung der Lebensqualität führen wird.
3. Der Pflegeaufwand wird steigen. Sowohl im finanziellen als auch
personellen Bereich. Wenn die Menschen älter werden, werden sie auch möglicherweise länger pflegebedürftig. Steigende Zahlen bei Demenz- und Alzheimerkranken belegen dies.
Es wandern hierbei notwendige Ressourcen aus dem produzierenden und kreativen Bereich in den pflegenden Bereich.
Deutschland wird darunter leiden und möglicherweise Verluste in der wirtschaftlichen Entwicklung erleiden. Außerdem werden wir externe Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Dazu werden wir ausländische Pflegekräfte ins Land holen, um den gestiegenen Pflegebedarf einigermaßen kostengünstig zu gestalten.
4. Um Mitarbeiter zu halten und zu gewinnen, müssen die Unternehmen neue Formen der Mitarbeitergewinnung etablieren. Zusätzlich zum firmeninternen Kindergarten werden auch eigene Altersheime gehören. Hier kümmern entsprechende Fachkräfte um die Eltern der Mitarbeiter. Nur so kann Fachpersonal für das Unternehmen gewonnen und gehalten werden.
5. Der „Krieg“ um Mitarbeiter generell wird hart geführt. Das Angebot an Arbeitsplätzen wird die Nachfrage übersteigen. Firmenzusammenschlüsse werden steigen, Synergien in der Wertschöpfung zwischen Produzent und Lieferant zunehmend gesucht und ausgeschöpft.
Alle Unternehmen werden sich kreative Lösungen für dieses Problem überlegen müssen (siehe auch Punkt 4).
6. Neue Formen des Wohnens müssen erprobt und erfahren werden. Ältere Menschen können auf Kinder aufpassen und ältere Kinder können auf Rentner aufpassen. Was in der Vergangenheit als Mehrgenerationenfamilie funktionierte, wird wiederbelebt werden müssen. Nur so werden wir die zukünftigen Probleme lösen können.
Wir müssen uns mit diesem Thema stärker auseinander setzen. Die gesellschaftlichen Gefahren aus den Nichtbeachtung sind groß. Es darf einfach nicht sein, dass wenige junge und arbeitsfähige Menschen viele alte, nicht mehr arbeitsfähige Menschen ernähren und betreuen. Der volkswirtschaftliche Schaden wird immens sein. Wir benötigen dringend funktionierende Modelle zur Lösung des Problems.